Kein Frühling ohne Lesestoff von uns, und eine Bombe :)

Liebe Leserinnen und Leser, 

ein newsletter fast nur mit Lesetipps, das gibt es auch :)

Mit beiden Händen den Himmel stützen

Ein so eindringliches Buch, gefunden auf meinem Lesestapel und schon war die Nacht rum, der Tag danach nicht einfach, immer war dieses Kind um mich herum, das 1980 geboren in Berlin aufwächst, in der WG des Vaters, der sich bemüht und doch so gar nicht in der Lage ist, für ein Kind zu sorgen, geschweige denn seine Mitbewohner - und trotzdem gibt es irgendwie auch Liebe und positive Nähe. Wahrscheinlich hat es mich so angefasst, weil diese Erwachsenen in ihrer Revoluzzerhaltung so unglaublich egoistisch sind und wir Jahre später, ebenfalls in WGs lebend - aus anderen Gründen jedoch! - vielleicht trotzdem nicht so anders gewesen sind, hoffentlich einfach nur, weil wir jung waren?

Kaputt

Meine erste Graphic Novel! Alison Bechdel erzählt darin vom Schreiben (also dem, was ihr Alter Ego im Buch so "Schreiben" nennt), vom Älter werden als eine Person mit erkämpften Prinzipien und moralischen Standards (die die Autorin glasklar erfasst und zerlegt), und auch hier wieder eine WG - aber dieses Mal ganz anders. Grandios gesehen, bebildert und betextet das alles. Ich denke, nicht wenige werden sich wiedererkennen im ein oder anderen, und auch hier immer wieder die Frage der Figuren, wie verloren man gelegentlich sein kann in diesem "intellektuell frei sein", und ob diese Decke aus Korrektheiten überhaupt wärmt. Hinterher dachte ich tatsächlich, ich hätte einen Film gesehen, ganz ungewöhnliches Leseerlebnis, so eine Graphic Novel, probieren Sie das mal aus.

Die Stockholm Protokolle

Hier keine WG - aber Politik. Julia, eine brillante aber kaltgestellte Politikjournalistin kann von ihrer letzten Recherche nicht lassen, während Alfred, ihr Mann, plötzlich zum Pressesprecher des Ministerpräsidenten aufsteigt. Sie vereinbaren, privat nicht über die Arbeit zu reden, aber bald finden beide auf getrennten Wegen zu ganz ähnlichen Erkenntnissen, die lebensgefährlich sind. So weit, so Thriller. Was mir besonders gefallen hat: der Einblick in die Politikergruppe, diesen Stab. Die Geschichten der einzelnen Figuren. Ihre Loyalität. Alfreds Naivität. Und auch, dass man die Bösen auf eine ganz unerwartete Art eigentlich sehr gern hat. Also nicht alle! Aber ich kann hier ja unmöglich schon Namen nennen....

Darkly

Was soll ich sagen? Dia ist 17, etwas schrullig gekleidet, lebt mehr oder weniger in einem Antiquariat und vergöttert Lousiana Veda, eine geniale Erfinderin von unfassbar komplexen Brettspielen. In diesem Sommer sucht eine geheimnisvolle Vereinigung ausgerechnet im Namen dieser Lousiana eine Praktikantin. Oder einen Praktikanten. Durch unglückliche Umstände schickt die Katze die unfertige Bewerbung ab und Dia findet sich in einer Gruppe von sieben Teenagern wieder, die alle diesen Praktikumsplatz bekommen haben. Schnell verstricken sich alle in einem Geflecht, das so genial ausgedacht zu sein scheint wie die Spiele von Lousiana, die allerdings schon viele Jahre nicht mehr am Leben ist. Angeblich. Ich war mir lange nicht sicher, was ich da lese. Thriller? Mystery? Irgendein unbekanntes Genre? Leicht erschrocken war ich bei der Altersempfehlung "ab 12 Jahren", das finde ich gewagt, aber vielleicht bin ich auch nur zu schreckhaft beim Herumstromern in verlassenen Herrenhäusern auf britischen Inseln, sturmumtosten Klippen und lebensgefährlichen Verfolgungsjagden. Spannend ist es! Und richtig gut erzählt.

Einatmen ausatmen

Was soll schon schiefgehen, wenn eine wahnsinnig erfolgreiche super wichtige Geschäftsfrau für eine Beförderung ein Achtsamkeitscoaching machen muss, auf einem abgelegenen Schloss bei einem Mann namens Alex Grow? Und all das nur, weil sie zwar wahnsinnig erfolgreich, aber leider völlig ungeeignet ist im Umgang mit Menschen... es kommen vor: die Managerin, der Coach, der Hausmeister, das abgelegene Schloss, Handyverbot, ein riesiger Wald, ein Ameisenhaufen und ebenfalls verbotenes Feierabendbier auf einer Parkbank. Wie immer bei Maxim Leo hat der ganze Spaß einen seriösen und feinen Resonanzdoppelboden.

Pina fällt aus

Hier lassen wir den Klappentext sprechen, der wunderbar zusammenfasst und ahnen lässt, wie schön das Buch ist: Wenn du weißt, dass du für jemanden die ganze Welt bist  Als Pina mitten auf der Straßenkreuzung zusammenbricht, hat sie nur einen Gedanken: Wer kümmert sich jetzt um Leo? Ihr Sohn ist zwanzig Jahre alt und lebt in seiner eigenen Welt, die außer ihm nur Pina kennt. Morgens verlässt er das Bett erst, wenn eine grüne Blase in seiner Lavalampe aufsteigt. Wenn er Treppen geht, dann in seinem eigenen Rhythmus: immer zwei Schritte vor und einen Schritt zurück. Die übrigen Hausbewohner verstehen den merkwürdigen Jungen nicht. Die sechzehnjährige Schulabbrecherin Zola, der resignierte Einsiedler Wojtek und die lebensmüde Seniorin Inge haben mit sich selbst schon genug zu tun. Doch jetzt liegt Pina auf der Intensivstation und Leo ist zum ersten Mal allein in der Wohnung. Die Nachbarn sind in Schockstarre. Sie können doch wohl nicht zuständig sein! Aber Leo braucht sie. Und während diese ungewöhnliche Truppe durch einen völlig neuen Alltag stolpert, realisiert jeder Einzelne von ihnen: Sie brauchen Leo auch. 

Natürlich sollen Sie auch "Die Riesinnen" lesen, auch weil die Autorin kommt, am 18.5. nämlich in die Stadtbücherei.

Und wissen Sie, wer noch kommt? Jetzt endlich darf ich die Bombe platzen lassen: MICHAEL KOBR! Ja, genau der. Der eine vom Kluftinger-Team, der in meinen Augen richtig gute Bornholm-Reiseführer schreibt, die als Krimis getarnt sind. Jedenfalls kommt Michael Kobr zusammen mit Stephan Winkler, der Klavier spielen kann und zusammen werden sie am 8.7.2026 im Rahmen des KOA2026 (Kultur Open Air) in Mössingen sein und vollkommen gratis für Sie auftreten, denn das KOA wird getragen von uns Unternehmerinnen und Unternehmern aus der Stadt. Nämlich. Gemeinsam. Nur so kann das gehen. Ich habe ihn neulich erst gesehen bei einer Lesung und ich kann sagen, das lohnt aber sowas von. 

Wir sind am Samstag, 4.4. bis 13 Uhr für Sie da, und dann wieder am Dienstag nach Ostern. Und ganz bald packen wir leise unsere Sachen ein und ziehen wieder zurück in die Bahnhofstraße, aber ich bin fast sicher, dass ich da nochmal eine Ankündigung schreibe :)

Fröhliche Feiertage für Sie alle, 

Pia Ziefle und das gesamte Team

 

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