Unerbittliches Meisterwerk
Im Irland der Gegenwart hat vor zwei Jahren eine neue Partei die Regierung übernommen und zunächst hat sich überhaupt nichts verändert. Alles geht weiter, Jobs, Medien, Familienleben. Keine Einschränkungen, keine finanziellen Probleme. Eilish und ihr Mann haben sehr überraschend noch ein Baby bekommen, das älteste der vier Kinder ist bereits 17, als eines Abends zwei Beamte an der Tür klopfen und Eilishs Ehemann sprechen wollen. Er ist nicht da, und als er nach Hause kommt, bekniet ihn Eilish, sich bei diesen beiden zu melden, sie gehören zur neuen Geheimpolizei, sicher wollen sie nur eine Auskunft, er habe doch nichts verbrochen.
Er kommt nicht mehr zurück.
Damit beginnt diese Erzählung, die so dicht gewoben ist, dass man kein Wort auslassen darf (schwer für mich...), man kann nicht über die Gespräche hinweglesen, weil es keine Anführungszeichen gibt (noch schwerer für mich), aber das zwingt zu einer Aufmerksamkeit, die für diese Geschichte absolut notwendig ist.
Anhand der Kompetenzen des Babys erleben wir, wie die Zeit vergeht - ein genialer Kniff! - und langsam aber sicher sind wir Teil dieser Familie mit ihren beiden Teenagern, dem Zehnjährigen und dem kleinen Ben, denn die Kamera bleibt bei Eilish, ihrer Arbeit als Wissenschaftlerin, ihrer Aufgabe als Mutter, als Bürgerin, als Tochter eines zunehmend dement werdenden Vaters, und das in einer Welt, die sich nun doch zu verändern beginnt, aber nie so sehr, dass man ihr zurufen will, was sie nun tun soll - logisch ergeben sich ihre Schritte nicht, immer ist die Alternative ebenso denkbar. Bis zum Schluss.