UNSER SHUTDOWN

07.April
Wir sind in Woche 3 (es fühlt sich an wie Monate) unseres shutdown - und wir sind tief berührt nach wie vor von der Solidarität, die uns ausgesprochen handfest und fröhlich entgegengebracht wird, und wir sind fröhlich und handfest und optimistisch und unverwüstlich zurück. Wir wissen um die Verschiebungen da draußen, wo Staatschefs in Kliniken sind und man ihm bei aller politischer Abgeneigtheit nichts anderes wünscht, als schnell wieder gesund zu werden. Wir hören von Kunden, die erkrankt sind, manche schwer, und wir erfahren von vielen in Quarantäne und manches Telefonat biegt ab in ein Gespräch mit viel Zuhören und da-Sein und das ist auch, was wir tun: wir sind da und hören zu und sind mehr als nur die Lieferantinnen der bestellten Ware - denn das stimmt ja fast immer gar nicht, weil unser Herr S. unsere Lieferungen ausfährt und unser hoffenltich bald wieder von seiner Erkältung genesener Herr G. 
Seit wir umgestellt haben auf Versand erfahren wir erst, wie viele Menschen nicht mehr in Mössingen leben, aber ihre Eltern hier und in der näheren Umgebung haben, und sich wünschen, dass wir für sie ein Geschenk zusammenstellen und zusenden, so als wäre es mehr von Herzen, wenn das Buch "von hier" kommt mit der Post statt "von dort" wo das betreffende Kind lebt.

Nach wie vor machen wir alles möglich, und wir sind sehr sehr sehr überwältigt von allem.
Danke. Ganz ganz großen Dank an alle.

27.März
Um Mitternacht haben die USA Chinas Zahlen überholt, man wacht auf mit einem gemischten Gefühl. Ging es die letzten Tage darum, Nachrichten zu hören und daraus anstehende Entscheidungen vorauszuahnen, sind wir jetzt in unserem Arbeitsalltag schon fast wieder auf Schiene. Und das führt gelegentlich zu einem viel mulmigeren Gefühl als noch vor vier Wochen. Was wird denn jetzt noch kommen, was kann überhaupt noch kommen? Und wie geht das weiter für alle?
Seit Mittwoch sind die Hilfsanträge freigeschaltet, die das Land und der Bund für uns bereithält, wir haben uns dagegen entschieden, Gelder zu beantragen. Warum? Weil wir noch gut dastehen, wir haben gute Verkäufe, wir haben die allerbesten Kund*innen der Welt, ich wiederhole mich. 
Ja, es wird uns das Ostergeschenkemitnahmegeschäft wegbrechen, wir werden mit Sicherheit weniger Umsatz haben als geplant, aber wir werden - Stand heute - mit einem blauen Auge davonkommen diesen Monat, daher auch keine Reduzierung der Stunden oder gar Kurzarbeit. 
Wir sind vor zwei Jahren mit nichts gestartet, wir werden das wieder tun, wenn es sein muss.

26.März - es tun sich Abgründe auf
"Verlagam Abgrund", so titelt die ZEIT, und bringt drei Verlage als Beispiel, die verschieden reagieren auf die neuen Zeiten. Für alle ist der Große Versender weggebrochen als Distributor, und der geschlossene stationäre Handel kann nichts davon auffangen. Keine Reisebuchhandlung, kein Flughafenstore, keine Bahnkunden mit raschem Lektürewunsch. SIe alle sind vom Markt verschwunden, aber was das bedeutet für ein Haus mit einem Programm, für Autorinnen und Autoren, den Vertrieb und die Presse... und all das auf unabsehbare Zeit: wer weiß was wir anbieten können im Herbst überhaupt. 
Wir sind aber unverwüstlich, auch da wiederhole ich mich, Sie alle mit uns. Wir fahren immer noch munter Lieferungen aus, wir lernen Gegenden kennen in der Stadt... wir erfahren eine so unglaubliche Resonanz und immer wieder die Dankbarkeit dafür, dass wir das durchziehen. 
Wir bleiben, versprochen!
Und nein, das sonderbare Halskratzen und meine leicht verrauchte Stimme am Telefon: das ist mein langjähriger Begleiter, der Pollenkrams in jedem Frühling, das auch noch, das ist ja auch noch alles am Start.

25.März - Frühjahrsputz
Im Laden läuft alles gut, wir sind am räumen und putzen und telefonieren und sortieren und stellen immer wieder fest, wie sehr wir umdenken müssen beim Anordnen der Bücher, beispielsweise brauchen wir unsere Pappbilderbücher nicht mehr in Türmen und Schütten, sondern nach Themen sortiert und dann nach Verlagen in einem Regal, damit wir sie rasch finden, wenn jemand danach fragt am Telefon. Oder am Fenster. 
Wir haben einen langen Packtisch gebaut mit richtigen kleinen Stationen und wenn wir morgens die Bestellungen verpacken und Leseproben dazuverstecken und Kataloge, dann fühlen sich die Handgriffe an wie bei McDonalds - überhaupt das ganze Procedere fast wie beim Großen Versender.
Unser Großhändler wird seine Touren noch weiter zusammenstreichen, so wenig Masse gibt es zu transportieren, viele Verlage haben ihre Produktionen verschoben. Daher ist es immer besonders schön wenn eine Bestellung hereinkommt und wir festestellen dürfen "wir haben es da!" weil es zeigt, dass wir im Feburar richtig gedacht hatten, als wir einkaufen waren für den Laden. Es sind die kleinen Dinge.

24.März - Wir liefern, und wie
Seit Samstag sind die Bestellungen aufgelaufen, unser Großhändler hat Montag wie angekündigt nicht geliefert, wir stehen also am Dienstag um 8 Uhr in der Warenmenge von drei Tagen. Samstag, Sonntag und Montag - und die hat es in sich. Wie sich am Abend rausstellen wird, habe ich einiges durcheinander gebracht, da sind falsche Bücher zu richtigen Menschen und richtige Rechnungen zu verkehrten Lieferungen geraten: es war enorm viel und ich bitte um Nachsicht, all diese Prozesse vor, hinter und mitten in den Kulissen verlangen mir extrem viel ab. All das Abholen und Geliefert-bekommen ist ja das eine - die Verbuchung der Rechnungen das ganz andere. Kassenabschlüsse gibt es ja nicht mehr, wir schreiben nur Rechnungen und die Zahlungseingänge müssen erfasst und verbucht werden, eine ganz andere Arbeit an den an Arbeit ohnehin nicht armen Abenden. Hatte ich bisher schon wenig Zeit für netflix, ist es jetzt noch weniger, aber so what. 
Was anzumerken ist: UNSER BUCHLADEN hat das weltbeste Team und die weltbesten Kundinnen und Kunden!
Eintausend mal Danke für all die Hilfe, die Überstunden, die Flexibiltät, die extrem hohe Bereitschaft, sich einfach einzulassen auf das Neue, abermals auf den Irrsinn unsicherer Zeiten. Und wie schon 2018, als ich sagte: ich mache das - Danke für das Vertrauen, das Ihr mir entgegen bringt, dass wir das schaukeln werden. 
Werden wir. 
Und es geht ja nicht um Geld, nicht um Umsatz, nicht um meinen Sportwagen vor der Tür. Es geht uns immer darum, für die Leute da zu sein, für unsere Kundinnen und Kunden. Die uns als Anlaufstelle suchen, die uns unglaublichen support geben, die unbedingt wollen, dass wir das überstehen.
Aber Dank gilt auch den Verlagen. Die uns Zahlungsziele verlängern, jedem von uns, nicht nur uns als einzigem Buchladen. Die sich Beine ausreißen um das Programm aufrecht zu erhalten, die sich jeden Tag neu überlegen, wie sie für die Autor*innen, die Druckereien, den Vertrieb und alle, die am Buch hängen, da bleiben können. Und eben auch für uns Buchhandlungen. Kleine Gesten sind da ganz groß - Danke für die Papiertüten! Die wir dringend brauchen, damit wir den Kund*innen die Ware gut verpackt vor die Tür stellen können zur Abholung. 
Und neben all dem geht das normale Leben ja weiter, mit den schönen und den traurigen Themen. Und mit den lustigen, den ernsten, den schweren. Einmal mit alles. So hat das wohl jemand bestellt gerade.

21.März - Zuhause bleiben, wir kommen.
Heute der Kunde der anruft und sagt, er wolle Bücher, mit Bildern drin und was mit Kunst, er nennt einen Etat und als er zur Abholstation vor dem Fenster kommt und die schwere Tüte sieht, will er unbesehen alles "Sie kennen mich ja" und fährt frohgemut davon. Mir rutscht das Herz ein wenig tiefer, weil ich denke, war das nicht arg wagemutig - aber was ist schon wagemutig in diesen Tagen. 
Es schneeregnet den ganzen Tag, trotzdem in der ganzen Stadt Jogger, beim Ausliefern kreuzen bestimmt sieben meinen Weg, bei Schneeregen wie gesagt, und ungefährt einem Grad plus. 
Wir liefern und klingeln und suchen Adressen, und eine finde ich nicht - wenn Sie mitlesen: ich werde Sie weiterhin hartnäckig googeln, das wird schon.
Der Kunde ruft wieder an: Wie toll dies sei und jenes, und wie passend und er lese nun erst einmal alles aus der Wundertüte.

Und immer wieder die Anrufe von Menschen die uns sagen, wie wichtig wir sind und wie wesentlich es ist für die Stabilität, dass wir da sind und geblieben sind und den Zugang zu Büchern geben, weil es ein Stück Normalität ist in dieser Situation, wir alle sind ganz still bei den Zahlen aus Italien. 

Ja, wir haben noch unsere Abholstation vor der Tür. das Ordnungsamt hat uns das erlaubt - aber sobald wir ein mulmiges Gefühl dabei haben, wenn Menschen nur wegen uns aus dem Haus gehen, werden wir sie abbauen und konsequent alles liefern. Wer aber zum benachbarten Rewe muss und auf dem Heimweg noch die Tüte mitnimmt, sehen wir das als ungefährlich an.

Dank der nun immer freien Parkplätze vor dem Laden und den Kunden, die vorfahren und bei laufendem Motor kurz rausspringen um die Papiertüte zu holen, fühlt es sich seit heute an wie beim DriveIn. 

20.März
Über all dem was sich draußen zuzuspitzen scheint die Nachricht, dass der Große Versender keine Bücher mehr versendet, bzw. extrem lange Lieferzeiten haben wird. Das ist unsere Chance - und Ihre auch. Suchen Sie sich in Ruhe Ihre Bücher heraus und bestellen Sie sie bei uns, wir sind teils innerhalb von ein paar Stunden bei Ihnen, andernfalls am anderen Tag. Unterstützen Sie uns, unterstützen Sie auch die anderen Geschäfte am Ort, wir brauchen Sie.
Toll: die vielen vielen online-Bestellungen - tausend Dank dafür!
Nicht toll: unser Großhändler stellt die Montagslieferungen ein, aber auch das werden wir schaffen, wir haben bisher alles bewältigt. 
Wir sind und bleiben unverwüstlich optimistisch.

19.März
Das Gefühl der Unwirklichkeit bleibt. Nachrichten überschlagen sich, Kunden stehen vor dem Fenster, wir unterhalten uns mit Händen und Füßen, es ist lustig und fröhlich, und damit vollkommen surreal. Die Zahlen aus Italien sagen uns, dass es richtig dramatisch werden wird, die vielen Leute draußen in den Parks und drinnen in den Baumärkten verursachen mir abwechselnd Kopfschütteln und abgrundtiefe Wut, vor allem diejenigen die sagen "wir haben schon ganz andere Dinge überstanden"  - als ob es nur um einen selbst ginge!
Im Laden geht das Umbauen weiter, wir schaffen große lange Packstraßen und witzeln darüber, dass wir uns bald fühlen wie beim Großen Versender. 

18. März Wir sind da - SIE bitte nicht! 
Unser erster Tag im Shutdown - der Laden geschlossen, um 9:10 die Ladenglocke abgeschaltet, mit komischen Gefühl, weil keiner weiß, für wie lange. Mit Menschen telefoniert, die vor mir standen, auf dem Gehweg vor dem Laden, noch nie habe ich mit jemandem telefoniert, den ich direkt vor mir sehen konnte durch eine Glasscheibe. 
Bücher an die Scheibe gedrückt, damit Leute den Klappentext lesen konnten, immer wieder auf den Mindestabstand hingewiesen. Menschen auseinander zu verweisen fühlt sich seltsam an, mit welchem Recht mache ich das eigentlich, und reicht es, seit drei Wochen alle Nachrichten gelesen zu haben und mit allem, was nun eingetreten ist, richtig gelegen zu haben?

Fazit Tag 1: wir sind immer für Sie da - aber Sie, Sie bleiben bitte ab sofort zuhause, wir liefern Ihnen die Bücher. 
Rufen Sie uns an unter 07473 3792418 oder mailen Sie uns, wir finden für alles eine Lösung.

17. März
Wir warten noch auf genaue Daten, aber auch wir werden unser Ladengeschäft schließen müssen. Dennoch wir sind im Hintergrund immer noch für Sie da.
Solange wir das dürfen, werden wir Ihre Bestellungen ausliefern.

Rufen Sie uns an und lassen Sie sich beraten unter 07473 3792418
oder per mail: mail@buchladen-moessingen.de

oder nutzen Sie direkt hier unseren Shop.

Bücher sind Grundbedarf für die Seele, und trotzdem ist auch für uns das Wichtigste, Sie weitestgehend zu schützen.

Eine Bitte: halten Sie uns die Treue, bestellen Sie online bei uns und nicht drüben beim internationalen Riesen, der finanziert nämlich kein einziges Krankenhausbett in Deutschland. 

Wenn Sie uns unterstützen möchten, dann kaufen Sie einen Gutschein, den versenden wir mit Rechnung per Post oder werfen ihn in Ihren Briefkasten. 

In den nächsten Wochen wird einiges auf uns zukommen, das wir so nicht kennen, aber wir sind uns sicher, dass es helfen wird, zu lesen. Nicht nur Belletristik und Krimis, sondern auch Sachbücher, sogar Reiseberichte.

Denken Sie auch an die Konfirmationen (die irgendwann wieder stattfinden werden), an Kommunion und an Ostern: wir haben Alben, Geschenke und hervorragende Kinder- und Jugendbücher für Sie.

Achten Sie gut auf sich,  Pia Ziefle und das ganze Team von UNSER BUCHLADEN